am 30. Juni 2010
Zuerst einmal: Wer mehr von Stephan lesen will, der sollte mal auf http://www.punktuelles-im-web.de schauen.
Während Dreamweaver, Eclipse oder das Zend Studio als Entwicklungsumgebungen in der PHP Welt weit verbreitet sind, ist die NetBeans IDE eher unbekannt und führt ein gewisses Nischendasein. Selbst einige Auflistungen von Entwicklungsumgebungen für PHP lassen NetBeans unerwähnt, eine “PHP IDE Softwareübersicht” auf www.phpbar.de kommt beispielsweise ohne jegliche Erwähnung aus. NetBeans selbst hingegen hat den nicht ganz ernst gemeinten Anspruch “die einzig benötigte IDE” zu sein.
Was ist NetBeans?
NetBeans selbst ist ein Framework für die Entwicklung von Oberflächen mit Swing unter Java. Die NetBeans IDE ist eine in Java und NetBeans geschriebene Entwicklungsumgebung, die zeitweise von der damaligen Firma Sun unter dem Namen Forté vertrieben, im Jahr 2000 Open-Source wurde und sehr aktiv weiterentwickelt wird. Auf der Webseite http://netbeans.org/ stehen unterschiedliche Installationspakete zur Verfügung. Für PHP fällt der Download mit 39 MByte eher bescheiden aus. Wer auch in anderen Sprachen wie Groovy, Ruby oder Java entwickelt, kann ein vollständiges, größeres Paket wählen oder alternativ weitere Sprachunterstützungen paketweise nachinstallieren. Für die PHP-Installation genügt eine einfache Java-Laufzeitumgebung ab der Version 1.6, ein JDK ist in diesem Fall nicht notwendig.
Erster Eindruck, erster Start
Der Start der NetBeans IDE dauert wie bei den meisten größeren IDEs etwas länger, unterscheidet sich damit aber kaum von anderen großen Entwicklungs- umgebungen wie Eclipse, Dreamweaver oder dem Microsoft Visual Studio. Wer befürchtet die NetBeans IDE sei als Java-Programm langsam oder die Oberfläche würde träge reagieren, kann beruhigt sein. Sogar auf einem Netbook reagiert das Programm schnell, es gibt keine Wartezeiten, keinen trägen Bildaufbau.
Die Oberfläche präsentiert sich nach dem Start mit einer abschaltbaren Startseite auf der die letzten Projekte, Tipps und Hinweise angezeigt werden. Alles wirkt aufgeräumt, die wenigen Icons sind schlicht, wirken fast elegant.
Wer das Arbeiten mit anderen Entwicklungsumgebungen gewohnt ist oder die mächtigeren Editoren wie Notepad++ oder PSPAD nicht nur als NotePad-Ersatz genutzt hat, findet sich schnell zurecht. Grundlegende Editor-Funktionen oder das Einrichten neuer Projekte findet man in den Menüs unter den erwarteten Bezeichnungen und an den üblichen Stellen. Gerade Anfänger finden sich in NetBeans zügig zurecht und können bereits nach kurzer Zeit produktiv arbeiten. Je nach Wissenstand stolpert man natürlich immer wieder über unbekannte Menüpunkte und Funktionen, die unaufdringlich warten entdeckt zu werden.
Dateibearbeitung vs. Arbeiten in Projekten
NetBeans kann dateizentriert arbeiten, spielt seine Stärken aber in anzulegenden Projekten aus, in denen neue Dateien nach Vorlagen erstellt oder bestehende Dateien eingebunden und bearbeitet werden.
Ob Dateien lokal auf einer Workstation oder über FTP remote bearbeitet werden müssen spielt keine Rolle. NetBeans beherrscht FTP “out of the Box”. Externe Dateien oder Webs lädt NetBeans bei der Projekterstellung vollständig herunter und aktualisiert sie beim Speichern lokal und remote. Große Webs können dabei problemlos in kleinere Projekte unterteilt werden.
Das Arbeiten
Syntaxhighlighting und -prüfung, Code-Folding oder das Formatieren des Quellcodes sind Standard bei einer Entwicklungsumgebung dieser Größe. Bereits bei der Eingabe werden mögliche PHP-Funktionen und eigene Variablen in Auswahllisten angezeigt. Fehler im Quelltext werden sichtbar rot markiert, kritische Stellen gelb und sogar Tipps gibt die NetBeans IDE. Wer CSV, Mercurial oder Subversion (noch) nicht nutzt, dem hilft bei der Arbeit in Projekten die “Lokale Historie” bei der Änderungen ähnlich einem Wiki verfolgt und zurückgesetzt werden können.
Eine genaue Beschreibung aller Möglichkeiten würde den Rahmen eines Blogbeitrages bei weitem sprengen. JavaScript-Unterstützung und CSS-Vorschau, unterschiedliche Dateiansichten, Debugger, Navigatoren für den Quelltext, Anbindung an Teamserver, Plugins, Makros. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.
Fazit
Die NetBeans IDE ist ein mächtiges Werkzeug das sich gleichermaßen an Anfänger und Profis in der Arbeit mit IDEs richtet.
Anfänger finden raschen Zugang und können schnell produktiv werden. Netbeans schafft das Kunststück eine Vielzahl an Funktionen unaufdringlich in einer IDE unterzubringen, ohne Überladen zu wirken oder (unnötig) zu verwirren. Profis finden in der NetBeans IDE eine ausgereiftes und stabiles Werkzeug für die Arbeit im Team. Wer möchte kann sogar zu den Tastenkombinationen von Eclipse oder Emacs umstellen – aber wer sollte so etwas wirklich wollen?

