am 4. Februar 2009
Ich habe ja irgendwann mal groß rumgetönt, dass ich auch mal was zum Thema Projektmanagement zu schreiben. Bis jetzt kam ich leider noch nicht dazu. Aber das soll sich heute ändern, denn ich will mal ein paar Worte zum Thema Planungs Poker verlieren.
Ich hatte es ja schon mal erwähnt, dass wir bei uns im Team agil mit Scrum arbeiten. Leider hat es dieses Jahr, durch diverse Sparmaßnahmen, nicht gereicht eine Scrum Master Schulung zu machen. Aber ich schweife schon wieder ab. Hier und heute soll es um Planungs Poker gehen.
Worum geht es also beim Pokern? Stellen wir uns mal ein einfaches Szenario vor: wir sitzen im Meeting und müssen ein Feature im Team schätzen. Früher war es bei uns so, dass jeder kurz erläutert hat wie viele Stunden man brauchen könnte und warum. Und wenn wir eins von “Wer wird Millionär” gelernt haben, außer vielleicht das Horst Schlämmer witzig sein kann, ist, dass man mit dem was man sagt, das Publikum beeinträchtigt. Die nächsten Sprecher werden also beeinflusst von den Aussagen der Vorredner sein. Wenn jemand ein Feature auf eine Stunde schätzt, dann wird sich der nächste nicht mehr trauen 2 Tage anzugeben.
Und genau hier kommt das Planung Poker ins Spiel. Jedes Teammitglied bekommt ein Kartenspiel in die Hand mit vorgegebenen Zahlen, die die Stunden repräsentieren, die er schätzt. Jeder legt also die Zahl verdeckt auf den Tisch und alle decken sie dann gemeinsam auf. Ihr werdet sehen, dass jetzt höhere Differenzen und somit auch ausführlichere Gespräche als Ergebnis rauskommen werden. Diskussion bedeutet in diesen Fall, dass man sich eher mit der Materie beschäftigt, genauer drüber nachdenkt und somit bessere Zahlen liefern kann.
Ein kleiner Trick, der in der Scrum Gemeinde relativ gängig ist, ist die Wahl der Zeiten, die man Schätzen kann. Nicht jede Stundenzahl kann genommen werden. Und da man davon ausgehen kann, dass die Schätzung, je größer das Feature ist, immer ungenauer werden, so sollten auch die Zahlen, die man zur Wahl hat, immer größere Differenzen aufzeigen. Hier bieten sich die Fibonacci Zahlen (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, …) an. Berechnet werden sie einfach, indem man die zwei vorhergehenden Zahlen aufeinander addiert. Kann man für kleine Aufgaben noch relativ genau schätzen, so muss man nicht wild drauf los raten bei großen.
Nach meiner Erfahrung nimmt dies auch den Druck auf die Entwickler, die schätzen müssen. Denn die Angst, auf eine Schätzung vom Management festgenagelt zu werden besteht fast immer und wenn es einem der Prozess nicht möglich macht “genauer” zu tippen, dann muss die Schuld am Prozess liegen. Aber mal Hand aufs Herz, ob ein Feature 60 oder 65 Stunden benötigt, weiß man oft erst, wenn man 59 Stunden daran gearbeitet hat.