am 23. Dezember 2009
Vor ein paar Tagen hatte ich ja ein Wordpress Buch aus dem Franzis Verlag vorgestellt. Es war solide und beschrieb genau den Weg, den Wordpress einen vorschreibt, wenn man Themes und Templates erstellen will. Wie so oft bei solchen Themen kam eine Diskussion auf, ob denn jetzt Wordpress das fieseste Stück Software ist, das man zur Zeit finden kann. Ich habe mir natürlich so meine Gedanken darüber gemacht. Bin mir aber nicht sicher, dass ich meine Meinung nicht auch ändern würde, wenn jemand ein paar gute Argumente hat.
Fangen wir aber einfach mal an. Wordpress ist nicht sauber OO programmiert. Es gibt z.B. eine functions.php und die ich alles reinschreiben kann, was ich gerne aufgerufen haben will, wenn mein Theme initialisiert wird. Dort ist es sehr einfach mit ein paar Funktionen nette Features hinzubekommen.
Worauf ich hinaus will: Wordpress macht es einem ziemlich einfach “unschönen” Code zu schreiben. An die ganzen Events, die von der Blogsoftware gefeuert werden, kann ich mich per callback dranhängen. Funktionen über Funktionen also, das Leben mit Objekten wird einen hier nicht vorgelebt. Aus diesem Grund beschimpfen auch viele OOP Anhänger das Wordpress System. Was ich auch auf der einen Seite verständlich finde.
Jetzt kommt natürlich das ABER. Als ich früher noch Basketball gespielt habe gab es den Satz “Wer trifft hat Recht”. Es war also egal, wie idiotisch deine Bewegung war, wenn der Ball drinnen war, hattest du es richtig gemacht. Ich schweife ab? Nö. Wordpress hat ungefähr eine Quadzilliade Plugins, obwohl sie sich schrecklich bewegt haben. Anscheinend scheinen sie also doch war richtig zu machen. Aber was?
Wordpress geht absolut den von PHP vorgesehenen Weg. Wenn ich etwas “hinrotzen” will, dann kann ich das. Wenn ich etwas gut strukturiert und wartbar bauen will, dann kann ich das auch. Wordpress hindert mich ja nicht daran, dass ich mir meine Objekte zusammenbastel. Genau so ist es ja in PHP auch gedacht. Diese Blogsoftware verkörpert also so ein wenig die Idee hinter PHP. Wer PHP mag, sollte sich also auch mit Wordpress anfreunden können.
Warum hat aber Wordpress mit seiner doch recht “simplen” Plugin und Erweiterungsstrategie genau ins schwarze getroffen? Naja meiner Vermutung kann jeder Hinz und Kunz Plugns schreibe, auch wenn er absoluter Anfänger ist. Er muss nicht wissen was ein Plugin Interface ist und wie an mit Singletons oder anderen Pattern umgeht. Jeder DAP (dümmster anzunehmender Programmierer) kann sich hier austoben.
Die schiere Masse an potentiellen Entwicklern ist also riesig. Das bedeutet aber auch, dass es eine riesige Anzahl von Plugins gibt, was die Anzahl der Nutzer erhöht, was es wiederum noch interessanter macht Plugins zu bauen. Ein Teufelskreis.
Was haben wir gelernt? Wordpress ist kacke, aber irgendwie faszinierend. Manchmal scheint es auch legitim zu sein, die Einstiegshürde möglichst gering zu halten und somit auf vielleicht akademisch unsauberen Code zurück zu greifen. Vielleicht aber auch nicht. Lasst es uns also ausdiskutieren.
Was mir gerade noch einfällt. Heute ist der letzte Eintrag vor Weihnachten (morgen zählt für mich als Feiertag). Ich wünsche euch als schöne Festtage ein ein gesegnetes Fest.